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Veröffentlicht am 5. März 2026
Pressemitteilung

Zwischenbilanz zum Generalentwässerungsplan für Moordorf

Südbrookmerland. Die Entwicklung des Generalentwässerungsplanes (GEP) für den Ortsteil Moordorf der Gemeinde Südbrookmerland schreitet voran. Kürzlich zogen Vertreter der Gemeinde, des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) sowie des Instituts für technisch-wissenschaftliche Hydrologie (ITWH, Hannover) eine Zwischenbilanz der Erkenntnisse seit Juni vorigen Jahres. Damals hatte das ITWH seine Arbeit im gemeinsamen Auftrag von OOWV und Gemeinde Südbrookmerland aufgenommen. Derzeit wird durch den OOWV der GEP Oberflächenwasser für Moordorf und der GEP Schmutzwasser für Südbrookmerland erstellt.

Sanierungsempfehlungen für das Entwässerungssystem in Moordorf soll es im Mai dieses Jahres geben. Aber schon jetzt konnten die Experten des IWTH erste Erkenntnisse  aus den Messungen der vergangenen Monate präsentieren. Die Fließgeschwindigkeit in den Gräben muss erhöht werden. Verrohrungen müssen durchgängig gemacht oder aufgehoben werden. Und dem Grundwasserstand muss bei der Planung, wo Niederschlagswasser hingeleitet werden kann, mehr Beachtung geschenkt werden.

Zwei Starkregenereignisse haben in den Jahren 2021 und 2024 in Moordorf für Überflutungen gesorgt und die Herausforderungen aufgezeigt, die gerade in diesem Ortsteil bei den Entwässerungssystemen bestehen. Es handelte sich dabei um zwei extreme Starkregenereignisse, die statistisch seltener als alle 100 Jahre vorkommen. „Für solche Regenfälle kann das Entwässerungssystem nicht ausgelegt werden“, betont Südbrookmerlands Bürgermeister Thomas Erdwiens. Er drängt dennoch auf schnelle Maßnahmen. „Jeder Zentimeter weniger Wasser in den Gräben zählt“, sagt er. Die Maßnahmen, die aus der Arbeit des ITWH abgeleitet werden, könnten dazu beitragen, auch die Folgen solcher Starkregenereignisse zu mindern.

Das Ziel des ITWH war es in einem ersten Schritt, ein digitales Modell der Gräben und Kanäle in Moordorf zu erstellen. Dafür mussten die Mitarbeitenden des ITWH auf Spurensuche gehen – im wahrsten Sinne des Wortes, wie Anneke Schönfeld berichtet. Sie ist für den Bereich Niederschlagswasser in der Untersuchung zuständig. „Wir haben bei Ortsterminen Verrohrungen gefunden, die auf keinem Plan verzeichnet waren.“ An anderen Stellen sei man immer noch auf der Suche nach Anschlüssen und Verknüpfungen von Grabenabschnitten. Denn viele seien in den vergangenen Jahrzehnten wenig gepflegt, verlandet oder verrohrt worden. Oft fehlen entsprechende Genehmigungsunterlagen.

Aus diesen Gründen gestaltete sich die Bestandserhebung des Kanalnetzes sehr schwierig. „Wir hatten einen Flickenteppich an Informationen aus 40 Jahren“, so Anneke Schönfeld. Es habe Pläne nur für Teilgebiete gegeben. „Eine übergeordnete Planung fehlt in Moordorf seit 1986.“ Insbesondere Teileinzugsgebiete, die in den 1990er-Jahren erschlossen oder nachversiegelt worden sind, seien jeweils separat an die Vorfluter angeschlossen worden ohne Beachtung der übergeordneten Entwässerungssystematik. Es sei auf Grund der Geländeverhältnisse teilweise schwierig gewesen, überhaupt die Fließrichtung von Gräben festzustellen. „Wir haben Abwasserforensik betrieben.“

Mit dem Modell werden grundlegende Fragen beantwortet. Wo kommt das Wasser her? Wo fließt es hin? Wie schnell fließt es ab? Erfasst wurden dafür 74 Kilometer Entwässerungsnetz. Betrachtet wurde eine Fläche von 396 Hektar, von denen 274 Hektar nicht versiegelt sind. Generell würde man sagen, dass bei unversiegelten Flächen Niederschlagswasser gut versickern kann.

Das gilt in Moordorf aber nur bedingt. Denn im Ort gibt es teilweise sehr hohe Grundwasserstände. Teilweise beginnt das Grundwasser nur einen Meter unterhalb der Geländeoberkante. Im Westen von Moordorf liegen die mittleren Grundwasserhöchststände sogar nur bei 30 Zentimetern unter der Geländeoberkante. Das bedeutet, dass Gräben teilweise Grundwasserleiter anschneiden: In ihnen steht bereits Wasser, ehe es anfängt zu regnen – der so genannte Basisabfluss. Ein Ziel für die Sanierung der Entwässerung muss es daher sein, Wasser aus stark grundwasserbeeinflussten Gebieten umzulenken in Richtung des Geestrückens, wo das Grundwasser nicht so hoch steht. Eine Herausforderung dabei sind die nur geringen Höhenunterschiede in Moordorf. Um richtige Ergebnisse zu erhalten, ist eine gute Datengrundlage erforderlich.

Für die Optimierung der Moordorfer Entwässerung ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Ersten Entwässerungsverband Emden unerlässlich. Denn die Verbandsgewässer müssen das Wasser aus dem Moordorfer Entwässerungssystem am Ende aufnehmen. Verbandsingenieur Jan van Dyk erläutert dazu, welche Maßnahmen bereits vom Entwässerungsverband durchgeführt worden seien. So habe man die hydraulische Leistungsfähigkeit erhöht. Das geschehe zum Beispiel durch eine Gewässerunterhaltung im Sommer und eine im Herbst jeden Jahres. Außerdem werde der Wasserspiegel im Winterhalbjahr zur Verbesserung der Vorflut regelmäßig um 13 Zentimeter gegenüber dem Sommerhalbjahr abgesenkt. Jan van Dyk war bereits bei mehreren Terminen der Gemeinde Südbrookmerland zum Thema Entwässerung dabei und hat seine fachliche Unterstützung eingebracht.

Die Messungen der vergangenen Monate haben auch ergeben, dass die Fließgeschwindigkeit des Wassers in den Gräben äußerst gering ist. Statt mit einem bis zwei Metern pro Sekunde, einem üblichen Wert in urbanen Entwässerungsnetzen, fließt das Wasser in den Moordorfer Gräben überwiegend mit weniger als 30 Zentimetern pro Sekunde ab. Einen Grund dafür benennt Projektleiter Dr. Stefan Krämer vom ITWH: „Die Gräben sind verkrautet, das sorgt für diese sehr niedrige Fließgeschwindigkeit.“ An dieser Stelle sind auch die privaten Grundstückseigentümer gefordert, sich um die Grabenreinigung zu kümmern.

In den Gräben machen zudem so genannte Sohlsprünge die Entwässerung schwer. Damit ist gemeint, dass die Grabensohle kein gleichmäßiges Profil aufweist. Vielerorts in Moordorf springt die Höhe der Grabensohle. Die Folge: Wasser fließt nicht ab, sondern wird gestaut. Sogar in Trockenzeiten steht Wasser in den Moordorfer Gräben. Diese Sohlsprünge müssen behoben werden, empfiehlt Anneke Schönfeld.

Ein weiteres Problem findet sich bei den Verrohrungen, die in den vergangenen 40 Jahren vorgenommen worden sind. Abgesehen davon, dass Rohre grundsätzlich weniger Wasser ableiten können als offene Gräben, sind in Moordorf viele der Verrohrungen auch verlandet, nicht mehr durchgängig und teilweise nur schwer aufzufinden.

Ingenieur Stefan Gordon ist beim OOWV der Projektleiter für den Generalentwässerungsplan. „Wir können hier kein Standardmodell verwenden“, sagt er. Denn es habe sich in den Kanälen und in den Gräben ein sehr komplexes Fließverhalten des Wassers gezeigt. Daher werde man auch zunächst die Hydraulik, also die technischen Einrichtungen zur Entwässerung, angehen. Danach werde man sich um die Hydrologie kümmern. Man müsse sich Gedanken über eine Staffelung der Maßnahmen machen und mit denen anfangen, die die größten Effekte haben. Das digitale Modell sei ein gutes Werkzeug, um an dieser Stelle Varianten zu errechnen.

  

Foto:
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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Am Roßkamp wurde der Graben, der zum Regenrückhaltebecken führt, gereinigt.

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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Im vorigen Jahr wurde das Regenrückhaltebecken am Wachtelweg gereinigt. 

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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Im Januar 2025 wurde das Regenrückhaltebecken am Roßkamp gereinigt. Mittlerweile ist die Natur dorthin zurückgekehrt.

Foto:
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Gemeinde Südbrookmerland
Bildunterschrift:
Im Mai vorigen Jahres wurden unter anderem Gräben in Moordorf aufgereinigt.

Ein Bagger reinigt einen Graben in Moordorf (Südbrookmerland).

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Aufgereinigter Graben am Roßkamp in Moordorf jpg-Datei · 4 MB
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Regenrückhaltebecken am Roßkamp jpg-Datei · 3,6 MB
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