Wettlauf mit der Tide: Einsatz mit drei Baggern sichert Insel-Versorgung
Harlesiel/Wangerooge. Der Wettlauf mit den Gezeiten ist geglückt: Mit eingespielter Teamarbeit und vollem Maschineneinsatz ist am Mittwoch die Reparatur einer defekten Trinkwasserleitung zwischen der Insel Wangerooge und dem Festland gelungen. Nach Abschluss der Bauarbeiten im Meeresboden kann der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) die Nordseeinsel wieder über drei parallel verlaufende Leitungen mit frischem Trinkwasser beliefern. Das bedeutet volle Versorgungssicherheit rechtzeitig vor dem Beginn der Osterferien, wenn zusätzlich zu den knapp 1100 Einheimischen zahlreiche Feriengäste Wasser benötigen. Insgesamt sind es etwa 190.000 Kubikmeter Wasser im Jahr, die aus den OOWV-Wasserwerken Harlingerland und Sandelermöns nach Wangerooge strömen.
Für diesen Reparatureinsatz war frühes Aufstehen und Hand-in-Hand-Arbeit von mehreren Wattenmeer-erfahrenen Partnern gefragt – sowie im Vorfeld ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Behörden. Noch vor dem Morgengrauen waren drei mit extrabreiten Kettenlaufwerken ausgestattete Bagger der ostfriesischen Baufirma Jeschke im Hafen Harlesiel auf ein Arbeitsboot der Wittmunder Reederei Warrings gerollt. Dieses ließ sich einige Stunden später mitten im Watt, gut vier Kilometer vom Festland entfernt, trockenfallen – und für den Bautrupp des Wilhelmshavener Unternehmens Ludwig Freytag und die unterstützenden OOWV-Kollegen begann die Uhr zu ticken. „Das Zeitfenster für die Reparatur ist kurz, es stehen maximal drei Stunden zur Verfügung, bis das Wasser wiederkommt“, beschreibt Matthias Ziegs die Herausforderung. Er ist Leiter der OOWV-Betriebsstelle in Schortens, deren Team die 7,5 Kilometer lange Wattleitung vom Festland aus technisch betreut. Dabei arbeitet er eng mit Kai Selke zusammen, Anlagenkoordinator für das Wasserwerk Wangerooge, das als Speicherpumpwerk genutzt und ansonsten für den Notfall bereitgehalten wird.
„Die Überwachung aus der Ferne funktioniert problemlos. Den Leitungsdefekt haben wir mit Kai Selke durch einen gemessenen Druckabfall direkt bemerkt“, berichtet Matthias Ziegs. Beim Auffinden des Lecks in der 1962 verlegten und 125 Millimeter starken Rohrleitung hatte das OOWV-Team Unterstützung aus der Luft. Die Fernerkundungsstaffel der Ortsgruppe Varel der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) half im Rahmen eines Ausbildungsflugs mit ihrer Rettungsdrohne, die Stelle zu finden, wo das wärmere Trinkwasser ins noch winterlich kalte Meer sprudelte. „Schon nach 20 Minuten Suche hatte die DLRG-Drohne den Rohrschaden mithilfe ihrer Wärmebildkamera lokalisiert. GPS-Koordinaten und eine 360-Grad-Aufnahme der Schadstelle wurden gleich mitgeliefert“, freut sich der für die Landkreise Wittmund und Friesland zuständige OOWV-Regionalleiter Bernd Janssen über die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DLRG und Wasserverband. „Das hat wunderbar geklappt und ist für uns eine wertvolle Katastrophenschutz-Übung“, bestätigt Yasha Kube, Leiter Einsatz der DLRG Varel.
Die beim Drohneneinsatz gesammelten Daten, Bilder und Videos halfen, auf Anhieb exakt den richtigen Abschnitt der mehrere Meter unter dem Meeresboden verlaufenden Leitung freizulegen. Erst mit Baggern und später mit Spaten für die Feinarbeit tastete sich der Bautrupp am Mittwoch an die Schadstelle heran. Dann galt es, das defekte Rohrstück herauszutrennen und die Versorgungsleitung mit zwei Muffen und einem Stück neuen Rohr wieder zu verbinden. Schließlich hieß es „Wasser marsch“ – zunächst testweise, denn bevor die reparierte Leitung wieder ans Netz genommen werden kann, sind noch Spülungen nötig. In der Zwischenzeit stellen eine weitere, auch von 1962 datierende und ebenfalls 125 Millimeter starke Rohrleitung sowie die neuere, größere 200er-Trinkwasserleitung die Wasserversorgung auf der Insel sicher.
Insgesamt sind es vier Ostfriesische Inseln, auf denen der OOWV für die Trinkwasserversorgung zuständig ist. Auf Langeoog und Spiekeroog sind Wasserwerke in Betrieb, die die jeweilige Süßwasserlinse als Ressource nutzen. Baltrum und Wangerooge werden mit Leitungen vom Festland aus versorgt. Im Meeresboden sind diese Festlandleitungen durch Verschiebungen im Untergrund, auch infolge von Gezeiten und Stürmen, hohen Belastungen ausgesetzt. Durch diese Beanspruchung kam es bereits vor zwei Jahren zu einem vergleichbaren Defekt an derselben Leitung, der sich allerdings in den Salzwiesen unmittelbar vor der Insel befand und schnell repariert werden konnte.