Rohrvortrieb trifft nach 50 Metern punktgenau das Ziel
Oldenburg. Eine ganz besondere Baustelle des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) befindet sich an der Schleuse in Oldenburg. Erneuert wird dort seit Mai vorigen Jahres das Abwasserpumpwerk Schleuse des OOWV. Rund 3,1 Millionen Euro werden in den Ersatz des Bauwerks investiert, das in Teilen auf das Jahr 1933 zurückgeht. Mit dem Pumpwerk werden rund 15 Prozent der gesamten Abwassermenge der Stadt Oldenburg in Richtung Kläranlage bewegt.
Kürzlich musste für das Pumpwerk gar ein kleiner Tunnel gebohrt werden. Vom neuen Pumpwerk aus ging es in sechs Metern Tiefe zu einem rund 50 Meter entfernten Zielschacht. Verlegt werden musste ein Rohr mit einem Außendurchmesser von 86 Zentimetern. Projektleiterin Natalie Dahlke machte sich vor Ort persönlich ein Bild von den Arbeiten. „So etwas sieht man in diesen Dimensionen auch beim OOWV nicht jeden Tag“, erklärte sie.
In der Baugrube für das neue Pumpwerk, in der auch das Pumpengebäude bereits Gestalt annimmt, wurde der Bohrkopf von den Fachleuten der Witte Spezialtiefbau GmbH (Berlin) in Stellung gebracht. Er wurde anschließend hydraulisch mit den Rohren ins sandige Erdreich gedrückt. Unterstützt wurde der Rohrvortrieb mit viel Wasser. Dadurch wurde ein Gemisch aus Wasser und Erdreich hergestellt, das an die Oberfläche gepumpt werden konnte. Dort wurde das Gemisch wieder getrennt. Das Bohrgut blieb an der Oberfläche, während das Wasser wieder zum Bohrkopf geleitet wurde.
Holger Doberstein ist Polier bei der Ludwig Freytag GmbH. Das Unternehmen ist zuständig für die Bauhaupt- und Rohrleitungsarbeiten am Pumpwerk. Zu Beginn der Bohrung war er bereits zuversichtlich, dass das Rohr reibungslos den Zielschacht erreichen würde. Höchstens große Findlinge hätten den Bohrkopf auf seinem Weg behindern können. „Das allerdings hätte uns vor größere Probleme gestellt.“ Dazu sollte es nicht kommen: Planmäßig wurde der Zielschacht nach wenigen Tagen erreicht. Pro Tag konnten bis zu zwölf Meter der Strecke zurückgelegt werden.
Im Zielschacht waren bereits Vorbereitungen getroffen worden. Der Schacht mit einem Durchmesser von 3,20 Metern hat eine Betonummantelung. An der Stelle, an der der Bohrer ankommen sollte, musste eine Kernbohrung mit einem Durchmesser von einem Meter vorgenommen werden. Dort sollte der Schmutzwasserkanal schließlich ankommen. Damit ist ein weiterer Meilenstein im Bau des neuen Pumpwerks erreicht worden.
Ende dieses Jahres soll das neue Pumpwerk fertiggestellt sein. Auch das alte Pumpwerk ist dann verschwunden, und die Grünanlagen rund um den Neubau werden neu gestaltet sein. Die Planungen dafür waren umfangreich und begannen bereits im Jahr 2022, ehe im vorigen Jahr tatsächlich mit dem Bau begonnen werden konnte. Rund zwei Millionen Kubikmeter Schmutz- und Regenwasser werden jährlich unter anderem aus den Oldenburger Stadtteilen Eversten und Bloherfelde in Richtung Kläranlage gepumpt. Das jetzige Bauwerk stammt aus dem Jahr 1933. Das oberirdische Gebäude wurde 1957 errichtet. Es gibt im Stadtgebiet nur zwei weitere Pumpwerke mit ähnlichem Alter.
OOWV-Regionalleiter Jens de Boer betont, wie notwendig der Neubau des Pumpwerkes ist. „Durch den Neubau mit neuer Anlagen- und Elektrotechnik stellen wir die Entsorgungssicherheit langfristig sicher.“ Denn da es sich um ein Mischwasserpumpwerk für Schmutz- und Regenwasser handele, müsse der OOWV bei solchen Projekten auch immer die zunehmenden Starkregenereignisse mit entsprechend größeren Wassermengen, die kurzfristig anfallen, mit einplanen.
Foto:
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Heino Hermanns/OOWV
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Acht Meter tief ist die Baugrube für das neue Abwasserpumpwerk in Oldenburg.
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Heino Hermanns/OOWV
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Maschinell wird das Bohrgut vom Bohrwasser getrennt.
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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Die Rohre haben einen Außendurchmesser von 86 Zentimetern.