In 33 Berufsjahren von den „blauen Jungs“ zum Leiter mehrerer Kläranlagen
Bassum. Als Gerd Lehmkuhl im März 1993 die Arbeit als Klärwärter aufnahm, waren die Kläranlagen in Bassum gerade im Umbruch. Schnell mauserte sich die Kläranlage im beschaulichen Ortsteil Groß Henstedt zur Vorzeigeanlage auf dem neuesten Stand der Technik. „Ich habe die gesamte Bauphase miterlebt und meine Kollegen und ich hatten viel Mitspracherecht“, erinnert sich der gebürtige Bassumer. Gut so, denn die Vorzüge der 1995 in Betrieb genommenen Anlage haben ihn sein ganzes weiteres Berufsleben lang begleitet. Die Klärtechnik tat lückenlos ihren Dienst, während der Übernahme durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) im Jahr 2001 und weiterhin, als Gerd Lehmkuhl 2017 zum Anlagenkoordinator aufstieg. Ab 2022 übernahm er als Leiter der Kläranlagen Bassum, Twistringen und später Barnstorf noch mehr Verantwortung. „Bis heute hat sich nichts Grundlegendes an Technik, Funktionsweise und Optik verändert“, sagt der 65-Jährige mit Blick auf „seine“ Kläranlage. Ende April übergibt er die Abwasserentsorgung für die drei Kommunen in jüngere Hände – denn er verabschiedet sich nach 33 Jahren in den Ruhestand.
Fünf Köpfe zählt das Bassumer Team inzwischen. Neben der Kläranlage selbst gilt es – inklusive Bereitschaftsdienst rund um die Uhr – heute über 250 Kleinpumpwerke und über 80 Netzpumpwerke zu betreuen. Rund 25 Jahre lang arbeitete der gelernte Elektrogerätemechaniker und Energieanlagenelektroniker Gerd Lehmkuhl zuvor im Dreierteam mit dem damaligen Anlagenleiter Volker Schröter und Schlosser Wolfgang Bettermann. „Wir waren für die Pumpenwartung im ganzen Stadtgebiet unterwegs und wegen der Farbe unserer Arbeitskleidung und wegen unseren blauen Dienstwagen als die ‚blauen Jungs‘ bekannt“, erinnert sich Gerd Lehmkuhl gern zurück. Gemeinsam überstand das Bassumer Team auch schwierige Situationen wie das große Hochwasser 1998. Fotos im Betriebsgebäude zeugen noch davon, wie hoch das Wasser damals stand. „Da war der Urlaub sehr plötzlich vorbei“, sagt der Kläranlagenleiter und berichtet von langwierigen Aufräumarbeiten, denn: „Der Schlamm war überall.“
Vernetzt im Stadtleben war Gerd Lehmkuhl zudem durch sein ehrenamtliches Engagement: Bis 2016 nahm er aktiv am Einsatzdienst der Freiwilligen Feuerwehr Bassum teil und übernahm verschiedene Funktionen. „Heute bin ich in der Altersabteilung“, berichtet er. Auch sonst wird dem zweifachen Vater, dessen erwachsene Kinder weiterhin in Bassum leben, im Ruhestand sicher nicht langweilig. Neben dem Familienleben hat es ihm die Arbeit mit Holz angetan. In seiner Werkstatt zuhause hat er immer ein Projekt in Arbeit, besonders im Advent sind seine Kunstwerke vom Schwibbogen bis zur leuchtenden Weihnachtspyramide gefragt. Gerd Lehmkuhls größtes Projekt ist aber das Eigenheim, das er mit seiner Frau liebevoll in Schuss hält. „Und wir machen gerne große Fahrradtouren“, sagt er. Nach einer Bodenseeumrundung und mehreren Küstentouren waren für den Ruhestand eigentlich die Dolomiten angedacht. Das muss gesundheitsbedingt zwar verschoben werden, aber geplant wird trotzdem: Mit einer kleinen Feier will er sich Ende April von seinen Kollegen verabschieden. Der Draht zum OOWV bleibt auch danach sicher bestehen, schon durch seine Tochter Ina, die im Leitungswesen des Wasserverbands arbeitet, während sein Sohn in der Kreisverwaltung seine berufliche Heimat gefunden hat.