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Veröffentlicht am 2. Juni 2026
Pressemitteilung

Generalentwässerungsplan für Moordorf fertig gestellt

Südbrookmerland. Die Gemeinde Südbrookmerland und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) haben den Generalentwässerungsplan (GEP) für die Regenwasserentwässerung des Ortsteils Moordorf abgeschlossen. Die Planung wurde vom Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie (ITWH, Hannover) zwischen Juni 2025 und Mai 2026 erarbeitet und stellt die erste übergeordnete Entwässerungsplanung seit 40 Jahren.

Seitdem hat sich der Ortsteil Moordorf stark entwickelt. Insbesondere in den 1990er-Jahren gab es eine erhebliche Nachverdichtung mit deutlich mehr als einer Verdopplung der versiegelten Flächen. Entwässerungsplanungen erfolgten aber nur noch für Teilgebiete – der Ortsteil Moordorf als Ganzes wurde nicht mehr betrachtet. Es galt, einen Flickenteppich an Informationen aus mehreren Jahrzehnten zusammenzufügen.

Im Sommer 2022 beschlossen daher die Gemeinde Südbrookmerland und der OOWV, die Synergien eines gemeinsamen Generalentwässerungsplans zu nutzen. Der OOWV übernahm die Ausschreibung und Vergabe. Schon zu Beginn zeigte sich jedoch: Die vorhandenen Bestandsunterlagen waren unvollständig, veraltet oder widersprüchlich. Zugleich waren Gräben und Kanäle über viele Jahre hinweg nicht vernünftig gepflegt worden. Um überhaupt eine belastbare Grundlage zu schaffen, waren daher umfangreiche Vorarbeiten notwendig.

Dazu gehörten Spülungen und Reinigungen im Kanalnetz, Unterhaltungsmaßnahmen an Gräben und Rückhalteräumen, ergänzende Kamera-Inspektionen sowie die digitale Erfassung bislang nicht dokumentierter Verrohrungen und Gräben. Dabei wurde für den gesamten Ortsteil Moordorf eine notwendige und aufwendige Bestandsvermessung des Kanalnetzes durchgeführt. Denn die vorliegenden Daten waren veraltet, unvollständig und widersprachen sich teilweise sogar. Diese Arbeiten wurden bereits vor Beginn der Arbeiten durch das ITWH durchgeführt.

Schwarzbauten, verwilderte Gräben und jahrzehntelang unterlassene Unterhaltung führten dazu, dass die Bestandsaufnahme deutlich länger dauerte als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig wurde damit der Grundstein für ein modernes Kanalinformationssystem gelegt, das künftig eine systematische Bewirtschaftung und Pflege des Netzes ermöglicht. „Wir mussten zunächst herausfinden, was in Moordorf überhaupt vorhanden ist“, sagt Südbrookmerlands Bürgermeister Thomas Erdwiens. „Erst danach konnte das ITWH ein Modell erstellen, das die Realität abbildet.“

Der GEP verfolgt zwei zentrale Ziele: Regenereignisse, die im normalen Rahmen liegen, sollen künftig sicher und zuverlässig abgeleitet werden. Außerdem sollen die Schmutzwasserkanäle des OOWV möglichst weitgehend vom Regenwasser entkoppelt werden, um Überlastungen zu vermeiden.

Vier Phasen umfasst der Generalentwässerungsplan: die Modellerstellung, die Modellkalibrierung, die Nachweisrechnung und schließlich die nun vorliegende Sanierungsplanung.

In der ersten Phase wurde im Jahr 2025 ein hydrologisch-hydraulisches Niederschlags-Abfluss-Modell erstellt, mit welchem Wasserstände und Durchflüsse in Kanalsystemen berechnet werden können. Das ITWH führte zusätzlich zu den bereits erfolgten Messungen weitere Vermessungen durch. Dafür wurden insgesamt rund 65 Prozent des Entwässerungssystems vermessen (50 Kilometer Gräben, 17 Kilometer Kanäle, 9 Kilometer Verrohrungen). „Die digitalen Vermessungsdaten zeigten: Der Zustand vieler Gräben ist schlecht. Sohlsprünge, Verlandungen und die fehlende Unterhaltung beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit erheblich“, sagt Anneke Schönfeld (ITWH).

Die Berechnung von Wasserständen und Durchflüssen an digitalen Modellen musste in der zweiten Phase unter realen Bedingungen verifiziert werden. Zwischen Juli und Oktober vorigen Jahres wurde daher eine Messkampagne durchgeführt. Simulierte und gemessene Wasserstands- und Durchflussdaten wurden miteinander verglichen.

Die Messungen an zehn Stellen bestätigten zudem die starke Grundwasserbeeinflussung Moordorfs. Der Abstand zwischen Geländeoberkante und mittlerem Grundwasserhöchststand beträgt oft nur 80 bis 100 Zentimeter, im Westen sogar nur 30 Zentimeter. „Das bedeutet: Schon Regenereignisse von geringer Intensität führen zu einem Stau in den Gräben und zu einem Rückstau im Kanalnetz“, so Anneke Schönfeld. Auch eine Versickerung des Wassers vor Ort ist bei solchen Grundwasserständen kaum möglich.

Bei der Nachweisrechnung, der dritten Phase, wurde geprüft, wie häufig das Entwässerungsnetz im heutigen Zustand an seine Belastungsgrenze kommt und überstaut. Zu Grunde gelegt wurde das Regelwerk der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA). Demnach soll ein solcher so genannter Überstau in Wohngebieten höchstens alle zwei Jahre vorkommen, in Stadtzentren alle drei Jahre. Ein Überstau bedeutet: Das Wasser steigt so hoch, dass es über die Geländeoberkante tritt, jedoch ohne Schäden in der angrenzenden Bebauung anzurichten.

Vorgaben, die angesichts der zunehmenden Starkregen immer schwieriger zu erfüllen sein werden. In der vierten Phase, der Sanierungsplanung, wurden daher Sicherheitszuschläge eingerechnet. Mit diesen soll es in Wohngebieten höchstens alle drei Jahre, in Stadtzentren einmal in fünf Jahren zu Überflutungen kommen. Berücksichtigt wurden auch Flächen, auf denen eine Nachverdichtung oder eine neue Erschließung für eine Bebauung geplant ist.

Die Analyse zeigt deutliche Zahlen: An 223 Stellen in Moordorf kommt es derzeit häufiger zu Überstau, als es die technischen Regeln erlauben. Diese Bereiche wurden zu 135 Maßnahmengebieten zusammengefasst.

In 93 dieser Gebiete genügt eine Bereinigung der Sohlgefälle, sowie die Herstellung einheitlicher Gefälle entlang der Fließwege, um das Netz im Sinne des DWA-Regelwerks zu sanieren. Dabei handelt es sich um Gräben, die in unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche fallen. Neben den großen Verbandsgewässern sind die Schaugewässer der Gemeinde, aber auch kleine Gräben in Privatbesitz betroffen. Das komplexe Entwässerungsnetz Moordorfs kann nur funktionieren, wenn Durchgängigkeit, Mindestdurchmesser und einheitliche Gefälle von Verrohrungen und Grabenabschnitten konsequent hergestellt und beibehalten werden. „Moordorf braucht gepflegte Gräben, um die Wassermassen bewältigen zu können“, fasst es Bürgermeister Thomas Erdwiens zusammen.

In 42 Maßnahmengebieten sind strukturelle Eingriffe erforderlich. Es gilt dort, Fließwege und Anschlüsse wieder herzustellen oder auszubauen. Ein Fokus liegt dabei im Bereich um die Freie Christliche Schule in Moordorf (Postweg, Friesenweg, Schultrift). Es gilt auch, die Entwässerung des Wohngebietes Iltisweg/Wieselweg von der Entwässerung des Schulgeländes zu entkoppeln. Dafür müssen vorhandene Gräben und Kanäle nördlich des Schulgeländes ertüchtigt werden.

Im Einzugsgebiet des Düker Adelmund zwischen Kirchenweg, Ritzweg und Mittelweg gibt es eine starke Verknüpfung von Kanälen und Gräben. Hier würde ein ergänzender Hauptvorfluter in Richtung Vorflut des Dükers Entlastung schaffen. Ein genauer Trassenverlauf liegt bisher nicht vor. Eine Erweiterung des GEP-Modellgebietes in Richtung Düker ist erforderlich, um für dieses Gebiet abschließende Aussagen treffen zu können. Gleichzeitig ist ein intensiver Austausch sowie ein Planungsprozess mit allen Beteiligten nötig, um für diesen Bereich abschließende Aussagen treffen zu können.

Für das Bebauungsplangebiet 3.02 im Südwesten Moordorfs ist ein Ausbau der vorhandenen Verrohrung des Verbandsgewässers (Nr. 148) unter der Ringstraße Richtung Herrenhüttener Zuggraben erforderlich, um Wassermengen aus den Erschließungsgebieten aufzunehmen.

Mit diesen Vorschlägen wird das Gebiet so saniert, dass es nur alle drei Jahre zu einem Überstau kommen würde. Eine Sanierung auf ein Schutzniveau von „Überstau höchstens alle fünf Jahre“ ist aufgrund des geringen Geländegefälles wirtschaftlich nicht realisierbar. Ab dieser Größenordnung sind Maßnahmen der oberirdischen Regenwasserrückhaltung und für eine Lenkung des Wassers erforderlich.

Ingenieur Stefan Gordon ist beim OOWV der Projektleiter für den Generalentwässerungsplan. „Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Entwässerungsplanung eine gemeinsame Aufgabe über Verbands- und Gemeindegrenzen hinweg bleiben wird“, hält er fest. Nur durch abgestimmte Maßnahmen von Gemeinde, OOWV, Entwässerungsverband und privaten Grundstückseigentümern könne das System langfristig stabilisiert werden. Mit dem Abschluss des Generalentwässerungsplans liege nun eine belastbare Grundlage vor, um die Entwässerung Moordorfs systematisch zu verbessern.

Der Generalentwässerungsplan bildet zudem die zentrale Grundlage für die Erstellung des Starkregenvorsorgekonzepts für die Gemeinde Südbrookmerland. Dieses Projekt wird mit Landesmitteln gefördert. Die Gemeinde hat vor Kurzem dafür einen Förderbescheid erhalten.

Die Gemeinde Südbrookmerland werde nun die vorgeschlagenen Maßnahmen priorisieren, Fördermöglichkeiten prüfen und die Umsetzung schrittweise angehen, sagte Bürgermeister Thomas Erdwiens abschließend.

Der Generalentwässerungsplan wird der Öffentlichkeit am Donnerstag, 4. Juni, im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des zuständigen Fachausschusses vorgestellt. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula der Freien Christlichen Schule Ostfriesland Moordorf. Im Anschluss an die Sitzung besteht die Möglichkeit, sich die Schaukarten und Details des Generalentwässerungsplanes näher anzusehen und mit den Vertretern des OOWV sowie des ITWH ins Gespräch zu kommen.

 

Foto:
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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Eine vorgeschlagene Maßnahme ist, die Entwässerung des Wohngebietes Iltisweg/Wieselweg von der Entwässerung des Geländes der Freien Christlichen Schule zu entkoppeln.

Foto:
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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
An der Ekelser Straße gibt es bereits sauber profilierte und aufgereinigte Gräben.

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Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
Auch die Gräben, die zur Ekelser Straße führen, wurden aufgereinigt. Nur so können sie ihre Funktion auch erfüllen.

Ein sauberer, gereinigter und profilierter Entwässerungsgraben in Moordorf, Gemeinde Südbrookmerland.

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