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Veröffentlicht am 29. Juni 2026
Online-Magazin
Wasser Wasserschutz

Ein Gebäude, das mit der Natur denkt: Das Wasser-Wald-Zentrum in Schortens

Mit dem Wasser-Wald-Zentrum im Klosterpark Oestringsfelde ist in Schortens ein Ort entstanden, der weit mehr ist als ein klassisches Gebäude. Es ist ein bewusst gesetztes Zeichen für nachhaltiges Bauen im öffentlichen Raum und zeigt, wie sich Architektur, Umweltbildung und regionale Zukunftsthemen miteinander verbinden lassen.

Schon beim ersten Blick wird deutlich, dass sich dieser Neubau nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich in seine Umgebung einfügt. Umgeben von teils mehrere hundert Jahre alten Bäumen steht das Gebäude leicht erhöht im Gelände. Möglich wird das durch eine ungewöhnliche und zugleich konsequent nachhaltige Bauweise. Statt klassischer Betonfundamente trägt ein System aus 79 fünf Meter langen Stahl-Schraubpfählen die Konstruktion. Diese wurden präzise im Boden verankert, ohne das empfindliche Wurzelwerk der umliegenden Bäume zu beschädigen. Auf diese Weise bleibt der Eingriff in die Natur minimal und vollständig reversibel. Das Gebäude könnte theoretisch rückstandslos zurückgebaut werden.

Auch oberhalb der Erde folgt das Wasser-Wald-Zentrum einem klaren Prinzip. Es wurde vollständig in modularer Holzbauweise errichtet. Wände und Decken bestehen aus massiven Brettsperrholzelementen, die nicht nur stabil und langlebig sind, sondern auch eine sehr gute CO2-Bilanz aufweisen. Der bewusste Verzicht auf Beton reduziert die Emissionen erheblich und unterstreicht den Anspruch, ressourcenschonend zu bauen. Gleichzeitig sorgt das sichtbare Holz im Innenraum für eine warme, natürliche Atmosphäre, die bewusst als Teil des pädagogischen Konzepts gedacht ist.

Große Glasflächen öffnen das Gebäude in den umgebenden Wald hinein. Innen und außen gehen optisch ineinander über. Das verstärkt den Eindruck, sich mitten in der Natur zu befinden, und macht die Themen Wasser und Wald unmittelbar erlebbar. Unterstützt wird dieser Effekt durch eine interaktive Ausstellung, die sich durch alle Räume zieht. Der Raum selbst wird so zum Lernmedium.

Auch technisch ist das Gebäude konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Das Dach ist extensiv begrünt und trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Eine Photovoltaikanlage liefert einen Teil des benötigten Stroms, der restliche Bedarf wird über Naturstrom gedeckt. Ergänzend wurden sogar vertikale Photovoltaikelemente in die Fassade integriert. Diese erzeugen Energie und dienen gleichzeitig als Sonnenschutz. Durch ihre Teiltransparenz entsteht im Innenraum ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten.

Für ein angenehmes Raumklima sorgen neben der Verschattung durch den Baumbestand auch durchdachte bauliche Lösungen. Geheizt wird über eine strombetriebene Infrarotanlage. Die Innenraumakustik wurde mit Holzfaserzement-Elementen optimiert, sodass auch bei Veranstaltungen eine gute Verständlichkeit gewährleistet ist. Energieeffiziente LED-Beleuchtung ergänzt das Konzept.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Barrierefreiheit. Das Gebäude ist über eine Rampe zugänglich, Türen und Bewegungsflächen sind großzügig dimensioniert und ermöglichen eine uneingeschränkte Nutzung. Damit wird das Wasser-Wald-Zentrum seinem Anspruch gerecht, ein inklusiver Ort für alle zu sein.

Die Bauzeit von nur zwölf Monaten zeigt, wie effizient moderne Holzbauweisen umgesetzt werden können. Von den ersten Gründungsarbeiten bis zur vollständigen Innenausstattung verging vergleichsweise wenig Zeit. Diese Geschwindigkeit bei gleichzeitig hoher Qualität ist ein starkes Argument für die Bauweise.

Seit der Eröffnung im Oktober 2025 hat sich das Zentrum schnell etabliert. Bereits zahlreiche Veranstaltungen haben hier stattgefunden. Der flexible Innenraum kann sowohl für Seminare als auch für größere Vorträge genutzt werden. Gleichzeitig bleibt das Gebäude ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Bildung.

Inhaltlich greift das Wasser-Wald-Zentrum zentrale Zukunftsthemen auf. Die Region befindet sich im Wandel hin zu einer wichtigen Drehscheibe der Energiewende. Damit verbunden ist auch ein steigender Wasserbedarf, etwa für industrielle Prozesse oder die Wasserstoffproduktion. Umso wichtiger ist es, ein Bewusstsein für den Wert der Ressource Wasser zu schaffen. Genau hier setzt das Zentrum an.

So steht das Gebäude nicht nur für eine neue Art des Bauens, sondern auch für eine neue Form des Denkens. Es zeigt, wie sich ökologische Verantwortung, technische Innovation und Bildungsarbeit miteinander verbinden lassen und wie Architektur selbst Teil dieser Erzählung wird.