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Verbandsnewsletter Q1 2026

Kläranlage Oldenburg: Diese Dauerbaustelle macht Freude

Fast 24 Millionen Euro investiert der OOWV in den nächsten Jahren in seine größte Kläranlage. Es wird saniert, erweitert und modernisiert.

Dauerbaustelle, das klingt nicht positiv. Doch die mit ihren 210.000 Einwohnerwerten größte OOWV-Kläranlage in Oldenburg ist eine Dauerbaustelle im besten Sinne. Nur weil hier an allen Ecken und Enden betoniert und gemauert wird, bleibt die Kläranlage auf dem Stand der Technik und erzeugt 90 Prozent ihrer Energie selbst. Ab 2027 sollen es sogar 100 Prozent sein – beeindruckend, wenn man bedenkt, wie energieintensiv Kläranlagen sind.

Ins Auge sticht zuerst der Neubau des größten der drei Faultürme. Fast hat er seine geplanten 27 Meter Höhe erreicht und ist mit 20 Metern Durchmesser etwas breiter als seine 2018 erneuerten Gegenstücke. „Wenn er Mitte 2027 fertig ist, fassen alle drei Faultürme zusammen 16.000 m³, genug Platz für den Schlamm aus über 30 Kläranlagen“, erklärt Projektingenieurin Natalie Dahlke. Gerade 2025 erneuert wurde einer der zwei Gasbehälter, die das bei der Faulung entstehende Klärgas aufnehmen. Bis zu 5.000 m³ Gas sind hier sicher verwahrt, bis sie im benachbarten Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt und in Energie umgewandelt werden. Das BHKW wird – natürlich – auch erneuert. Mit einer Leistung von insgesamt 1,8 MW wird es dann ab 2028 Strom und Wärme erzeugen.

Was Kläranlagenleiter Volker Bruns und sein Team besonders freut: „Wir bekommen ein modernes Betriebsgebäude mit neuer Schaltwarte.“ Im Sommer 2026 soll es fertig sein, schon jetzt sieht es hell und freundlich aus. Durch die großen Fenster fällt der Blick direkt auf die Regenüberlaufbecken, die – wie sollte es anders sein – gerade erneuert werden. Betonsanierung im großen Stil ist hier gefragt, damit das bei starken Niederschlägen schnell zuströmende Wasser bis zur Reinigung zwischengespeichert werden kann. Damit die Wassermassen überhaupt zur Kläranlage gelangen, wird zugleich das Hauptpumpwerk Schleuse erneuert.

Weil die Wassermengen steigen und zugleich Auflagen verschärft werden, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Kläranlage muss erweitert und um eine vierte Reinigungsstufe ergänzt werden: „Der Ausbau des Hauptstroms wird unser größtes Projekt, das sich über mehrere Jahre hinziehen wird“, blickt Volker Bruns voraus. Damit steht eines fest: Sein Arbeitsplatz wird eine Dauerbaustelle bleiben – im besten Sinne.  

Interview: „Kleinere Anlagen profitieren vom hier gesammelten Fachwissen“

Der OOWV gewinnt sein Trinkwasser vollständig aus Grundwasser. Damit die 15 Wasserwerke auch künftig zuverlässig liefern können, setzt der Verband seit Jahrzehnten auf vorsorgenden Grundwasserschutz. Denn später ist entscheidend, was heute im Boden geschieht.

Ein Schwerpunkt ist die Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten auf Basis eines Trinkwasserschutzvertrags mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Auf rund 40.000 Hektar werden freiwillige Maßnahmen angeboten, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen – etwa der Anbau von Zwischenfrüchten oder eine angepasste Düngung. Die Ergebnisse zeigen: Auf kooperativ bewirtschafteten Flächen gelangen im Vergleich zu Nicht-Kooperationsflächen deutlich weniger Nährstoffe ins Sickerwasser.

Ab 2026 investiert der OOWV jährlich zusätzlich 500.000 Euro, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren. Landwirtschaftliche Betriebe, die Pflanzenschutzmittel einschränken oder darauf verzichten, werden für ihren Aufwand und ihre Risikobereitschaft beim Verzicht auf Chemie entlohnt. Ein Beispiel ist das Projekt „Hacke & Striegel“, bei dem die Betriebe mechanische Verfahren zur Unkrautregulierung durchführen lassen können.

Auch Aufforstungen tragen zum Schutz des Grundwassers bei. Gemeinsam mit den Niedersächsischen Landesforsten entwickelt der OOWV naturnahe Wälder mit Laubbäumen auf eigenen Flächen. In Holdorf wurden zum Beispiel vor vier Jahren auf 4,6 Hektar über 22.500 Bäume und Sträucher gepflanzt – ein wichtiger Beitrag zu Wasserqualität, Bodenschutz und Artenvielfalt. Zudem nutzt der Verband Flächen für Kompensationsmaßnahmen, sodass Ausgleichspflichten direkt dem Grundwasserschutz zugutekommen.

Grundwasserschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Obwohl der OOWV jährlich über 14 Millionen Euro Wasserentnahmeentgelt abführt, fließen nur rund 17 Prozent in den Trinkwasserschutz zurück. Hier ist eine stärkere Zweckbindung notwendig. Die Erfahrung zeigt: Kooperation wirkt bei ausreichenden Finanzmitteln. Dann gelingt es gemeinsam mit Landwirtschaft, Landesforsten und NLWKN, das Grundwasser langfristig zu schützen und die Trinkwasserversorgung nachhaltig zu sichern.