Zum Hauptinhalt springen OOWV
Veröffentlicht am 3. Februar 2026
Online-Magazin
Wasserschutz Klima Abwasser

Wasserbewusste Stadtentwicklung: Das Forschungsprojekt „aqua³“ sucht Antworten auf den Klimawandel

Städte stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: Während Hitzeperioden und lange Trockenphasen die urbanen Räume aufheizen, führen Starkregenereignisse immer häufiger zu Überlastungen der Entwässerungssysteme. Das neue Forschungsvorhaben „aqua³“ untersucht am Beispiel Oldenburg, wie ein intelligentes Regenwassermanagement diese Extremfolgen abmildern kann.

In stark bebauten Quartieren wird Wasser zunehmend zur Schlüsselfrage für die Lebensqualität. Herkömmliche Entwässerungssysteme stoßen bei extremen Wetterereignissen an ihre Grenzen. Um Lösungen für den Umgang mit „zu viel und zu wenig Wasser“ zu finden, hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) gemeinsam mit der Stadt Oldenburg, der EWE NETZ GmbH sowie der Leibniz Universität Hannover das Projekt „aqua³“ ins Leben gerufen.

Regenwasser als strategische Ressource

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Vorhaben verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, Regenwasser nicht länger nur als Abfallprodukt zu betrachten, das schnellstmöglich abgeleitet werden muss, sondern als wertvolle Ressource für das Stadtklima.

„Wie können wir Regenwasser als Ressource anders bewirtschaften und so Klimafolgen abmildern – das ist die zentrale Fragestellung des Projektes“, erläutert Julia Oberdörffer, Klimaanpassungsmanagerin beim OOWV. Dabei stehen verschiedene technische und ökologische Ansätze im Fokus:

  • Grundwasseranreicherung: Untersuchung des Bodens als Speicherraum für Niederschlagswasser durch gezielte Versickerung.

  • Kühlung durch Verdunstung: Nutzung von Regenwasser zur Minderung städtischer Hitzeinseln.

  • Nutzungskonzepte: Einrichtung von Speichern, um Regenwasser für verschiedene Zwecke nutzbar zu machen.

Trinkwasser schützen, Alternativen nutzen

Besonders in wachsenden Städten wie Oldenburg steigt der Wasserbedarf kontinuierlich. Holger Oeltjebruns, Entwicklungsleiter Wasser bei der EWE NETZ GmbH, betont die Notwendigkeit, Trinkwasser künftig noch gezielter für Trinkzwecke einzusetzen und für andere Bereiche neue Lösungen zu erschließen. Die EWE NETZ übernimmt hierbei die Perspektive der Betriebsführung für die Trinkwasserversorgung.

Pilotgebiet Ofenerdiek/Alexandersfeld im Fokus

Bis Anfang 2028 konzentriert sich die Forschungsarbeit auf das Pilotgebiet Ofenerdiek/Alexandersfeld. In diesem Stadtteil sollen innovative Ansätze für ein integriertes Regenwassermanagement erprobt werden. Dabei ist die enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren entscheidend.

Robert Sprenger, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Bauordnung bei der Stadt Oldenburg, unterstreicht die Komplexität der Aufgabe: „Wir brauchen Lösungen zum Umgang mit Starkregen, Regenwassernutzung, Hitzevorsorge durch Verdunstung oder auch Grundwasserneubildung.“ Angesichts des Klimawandels könne kein Akteur diese Herausforderungen alleine bewältigen.

Datengestützte Planung und Bürgerbeteiligung

Die Grundlage für das künftige Konzept bilden detaillierte Daten und Modelle. Aktuell wird für das Pilotgebiet eine Versickerungspotenzialkarte erstellt. Da in diesem Bereich schwierige Versickerungsbedingungen und hohe Grundwasserstände herrschen, soll die Karte aufzeigen, wo dennoch Handlungsräume für eine wasserbewusste Entwicklung liegen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Einbindung der Öffentlichkeit:

  1. Abgleich mit der Praxis: Die wissenschaftlichen Daten werden im Rahmen einer Bürgerbeteiligung mit den Erfahrungen der Anwohner vor Ort gespiegelt.

  2. Synergien nutzen: Informationen aus der Starkregengefahrenkarte des OOWV sowie städtische Klimaanpassungskonzepte fließen in die strategische Planung ein.

Schritt für Schritt soll so ein Modell entstehen, das als Blaupause für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft in urbanen Räumen dienen kann.

Möchten Sie mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe von aqua³ erfahren? Besuchen Sie unsere Projektseite!