Mit „Hacke und Striegel“ und weniger Chemie gegen Unkraut
Im Nordwesten. Vor sechs Jahren hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) das Projekt „Hacke und Striegel“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Unkraut soll mechanisch, ohne den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, insbesondere ohne Bodenherbizide, bekämpft werden. Das Projekt unter der Leitung von Agraringenieur Dr. Johannes große Beilage ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Das wurde kürzlich beim Jahrestreffen der Projektbeteiligten in der OOWV-Betriebsstelle Thülsfelde deutlich.
Johannes große Beilage stellte beeindruckende Zahlen vor. Mit der Hacke wurden im vergangenen Jahr gut 880 Hektar Fläche behandelt. Beim Striegel gab es einen neuen Rekord: Das Gerät wurde auf über 2383 Hektar eingesetzt. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es noch 1540 Hektar.
Dafür waren 2025 vier Hacke-Striegel-Gerätepaare in den Regionen Wiefelstede (Landkreis Ammerland), Markhausen (Landkreis Cloppenburg) sowie Harpstedt/Wildeshausen und Großenkneten (Landkreis Oldenburg) im Einsatz. Dr. Johannes große Beilage dankte bei einem gemeinsamen Rückblick den vier Kooperationspartnern, die die Arbeitserledigung vor Ort mit ihren eigenen Traktoren und Personal gewährleisten. In diesem Jahr gibt es noch einmal Zuwachs im Gerätepark: für Holdorf wurde ein weiterer Präzisionsstriegel angeschafft, so dass nun insgesamt neun Geräte im Einsatz sind.
Modern aufgestellt wird nun auch die Dokumentation, welche Flächen mit Hacke und Striegel bearbeitet wurden. Per GPS-Tracking sollen die Flächen automatisch erfasst werden. Für alle neun Geräte sind nun entsprechende Telemetriegeräte angeschafft worden. Damit soll laut Dr. Johannes große Beilage auch die Einsatzorganisation für alle Teilnehmenden vereinfacht und optimiert werden.
Die Dienstleistung „Hacke und Striegel“ wird in Trinkwassergewinnungsgebieten angeboten und reduziert – insbesondere auf konventionell bewirtschafteten Maisanbauflächen – die Unkräuter wie Knöterich, Hirse und Melde. Dadurch kann der Einsatz chemischer Pflanzenbehandlungen eingeschränkt oder sogar ganz vermieden werden. Interessenten können den Projektleiter für weitere Informationen per Mail unter gr.beilage@oowv.de erreichen.
Über das Projekt „Hacke und Striegel“ hinaus hat der OOWV ab der Saison 2026 auch ein Reduktionsprogramm für Pflanzenschutzmittel aufgelegt, wodurch auch entsprechende Lohnarbeiten durch Dritte in Anspruch genommen werden können. Diese werden dann über vom OOWV finanzierte freiwillige Vereinbarungen zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln erstattet. 500.000 Euro zusätzlich gibt der Verband ab dem Jahr 2026 jährlich aus, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen seiner bestehenden Trinkwasserschutz-Kooperationen mit Landwirten und Landwirtinnen zu verringern.
Eine Ausgabe, bei der OOWV-Geschäftsführer Karsten Specht eigentlich das Land Niedersachsen in der Pflicht sieht. Zumal der OOWV nicht nur ökologische Ziele verfolgt, die Investition macht auch ökonomisch Sinn: „Ohne Prävention laufen wir Gefahr, unser Wasser später aufwendiger aufbereiten zu müssen, was hohe Kosten verursachen würde.“ Der Gesetzgeber berücksichtige den Grundwasserschutz nicht ausreichend, so Specht. Er fordert einen höheren Rückfluss aus den über 14 Millionen Euro Wasserentnahmegebühren, die der OOWV jährlich von den Kundinnen und Kunden einbehalten und ans Land Niedersachsen abführen muss. Noch im Jahr 2008 seien 54 Prozent der Wasserentnahmegebühr für den Trinkwasserschutz an den OOWV zurückgeflossen. „Heute sind es nur noch 17 Prozent“, sagt Karsten Specht.
Foto:
038-2026-PM-OOWV Hacke und Striegel Bilanz 1
Heino Hermanns/OOWV
Bildunterschrift:
In der Betriebsstelle Thülsfelde fand das jüngste „Hacke und Striegel“-Jahrestreffen statt.
Foto:
038-2026-PM-OOWV Hacke und Striegel Bilanz 2
Matthias Wittschieben/OOWV
Bildunterschrift:
Mit der Hightech-Hacke geht es dem Unkraut mechanisch an den Kragen.